1400Hm, mehr als 10 km lang, durchschnittliche Steigung 13,3%, Ziel auf über 2000m. Das sind die Eckdaten des Nebelhornberglaufs, der damit heute alle Voraussetzungen für eine anspruchsvolle Deutsche Meisterschaft 2011 im Berglauf bot(Ergebnisse/Bilder).
Doch genau da liegt das Problem. Er war zu anspruchsvoll - zumindest für die Elite.
Für Teilnehmer an der Deutschen Meisterschaft war heute bereits am Höfatsblick(1932) Schluss, während die Volksläufer, wie immer in den letzten 12 Jahren, noch knappe 2 km weiter bis zum Gipfel laufen durften.
Was das soll? Nun, so richtig verstehen lässt es sich für einen vernünftigen Menschen nicht.
Es scheint wohl schon länger eine Zusage an Gerhard Söllinger(TSV Oberstdorf) zur Ausrichtung der DM am Nebelhorn gegeben zu haben. Nach der Vergabe der Europameisterschaft an
Bursa/Türkei hatte man jetzt jedoch ein Terminproblem.
Ein so fordernder Wettkampf wie der Nebelhornberglauf eine Woche vor der EM am 10.Juli ist selbstverständlich für EM-Teilnehmer nicht optimal.
Als (nicht dopender) Läufer bleibt da die Wahl, entweder die DM als Trainingslauf zu absolvieren, gar nicht erst zu starten, bzw. die DM als Hauptwettkampf zu bestreiten und bei der EM zu sehen, was noch geht. Auch der psychologische Aspekt darf nicht vernachlässigt werden("ich hab jetzt die DM in den Beinen"). Der Versuch der DLV-Verantwortlichen, die Situation für die Kader-Athleten zu entschärfen, ist daher natürlich prinzipiell zu verstehen.
Nur, die Lösung ist ein Witz.
Nach dem gescheiterten Versuch, die Meisterschaft am Hochfelln auszutragen, entschieden die DLV-Verantwortlichen den Lauf verkürzen zu lassen. Nach Protesten aus der Bergläuferschaft gegen die Kastration des Nebelhornlaufs wurde mit dem bemitleidenswerten Veranstalter schließlich die Vereinbarung getroffen, die DM-Teilnehmer nur bis Höfatsblick, die Volksläufer bis zum Gipfel laufen zu lassen.
Durch die Verkürzung waren die Spitzenläufer jetzt knappe 50 statt 60 Minuten unterwegs. 10 Minuten weniger, aber trotzdem 50 Minuten harter Berglauf.
Soll das jetzt die grundsätzliche Entscheidung eines Elite-Läufers für oder gegen die DM geändert haben?
Wird er die DM dann "anders" angegangen sein, wenn er denn teilgenommen hat?
Also ich kann mir das beim besten Willen nicht vorstellen.
Nun gibt es auch bei anderen Sportverbänden Probleme mit der Terminkoordination(z.B. Skiverband). Im schlimmsten Fall sind halt dann die Deutschen Meisterschaften nicht mit den TOP-Leuten besetzt. Na und? Haben andere auch mal eine Chance auf einen Titel!
So jedenfalls wurde ein Veranstalter in Schwierigkeiten gebracht,
das "gemeine Berglaufvolk" in berechtigte Aufruhr versetzt,
die Teilnehmer an der Deutschen Meisterschaft dürfen sich hämische Kommentare anhören,
die DLV-Verantwortlichen müssen sich Inkompetenz vorwerfen lassen,
und den Kader-Athleten ist trotzdem kein bischen geholfen.
Noch ein Nachtrag:
Da manche der Meinung sind, ein Spitzenläufer kann auch 2 Wettkämpfe getrost ohne Leistungseinbuße hintereinander laufen, "der xy und der jw machen des ja auch", kann ich nur sagen: draamds weida - ICH jedenfalls glaub an keine Wunder!