Bergtour Chartreuse: Le Chamechaude

Bergtour zum höchsten Berg der Chartreuse, 2082m

auf luftigen Bändern mit kleinen Klettereinlagen rund um den Bergstock und auf den Gipfel


Karte: IGN – TOP 25 – 3334OT
Startpunkt: Col de Porte(1326m)
Literatur: „Préalpes Isère et Savoies“, ISBN 978-3-7633-4935-7
Hauptsaison und Wochenende – sich da die Region Chartreuse, also das Einzugsgebiet von Grenoble, Chambéry und Lyon, als Urlaubsziel zu wählen, war keine so gute Idee. Menschenmassen in den Orten, ebenso am Vorabend auf der Alm am Charmant Som, voll belegte Campingplätze. Nach einer freien Übernachtung im Auto am Pass Col de Porte rechnete ich auch heute nicht mit einer einsamen Tour. Doch siehe da, auf meiner Runde war nur eine Handvoll Bergsteiger unterwegs(die Passagen am Normalweg über La Folatiere ausgenommen).

Direkt am Col de Porte startend, folge ich zunächst dem gut beschilderten Karrenweg zum kleinen Hüttchen Cabane de Bachasson. Bei den heissen Temperaturen dieses Sommers eine gute Gelegenheit hier an der Quelle Wasser zu fassen.

Der Normalweg über La Folatiere weist jetzt nach links. Ich biege aber hier auf den kleinen Steig zum Habert de Chamechaude ab. An einem Gatter teilt sich der Weg. Ohne mich in der Karte zu vergewissern, lasse ich den bergabführenden rechts liegen. Ich will schließlich nach oben.

der falsche Steig

Grenoble mit Néron

Der Steig führt um die steil abfallende Bergflanke herum. Er leitet nur wenige Meter unterhalb der beeindruckenden Felsformationen des südlichen Gipfelaufbaus hinaus auf die Schrofenhänge der Ostflanke. Ausser ein paar Gämsen niemand unterwegs.
Kartenstudium – nun sind die IGN Karten leider nicht so genau wie unsere AV-Karten. Der Weg ist nicht eingezeichnet. Laut Buch hätte ich am Abzweig den absteigenden Weg wählen sollen. Es sieht zwar so aus, als würde mein Steig die gesamte Ostflanke queren(ich vermute das auch heute noch), und somit später auch auf die geplante Route treffen, gehe aber auf Nummer sicher und kehre um.

Also steige ich wieder ab, immer schön im schattigen Wald, bis hinaus zum Habert de Chamechaude. Meine Gipfelfelsen glänzen nun wieder weit entfernt in der Morgensonne. Nun immer brav dem Weg folgend, erreiche ich den Roche du Nord, quere ein paar felsige Abbrüche und befinde mich irgendwann wieder an den Gipfelfelsen. Diesmal aber am nördlichen Teil des langgestrecken in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Bergstocks.

Wie geht’s weiter? In der IGN Karte endet der Weg hier.

da geht’s rauf

Im „wahren Leben“ gibt es aber eine eine etwas verwaschene gelbe Markierung und die Antwort heisst: einfach geradewegs nach oben.

Ich erreiche ein schmales Band. Die verwaschene Markierung weist nach rechts. Also nach rechts.

Nach 30m endet aber das Band recht eindrucksvoll im Nichts. Also nach links.

der Durchstieg zum „Le Jardin“

Hier könnte man eine ausgesetzte, heikle Querung wagen. Das kann aber eigentlich nicht richtig sein. Während ich meinen schlauen Rother Führer konsultiere, findet ein mir nachfolgendes Bergsteigerpaar die simple Lösung. Sie heisst erneut: einfach geradewegs nach oben.

Wer die Augen aufmacht, findet dort nämlich wieder eine Markierung.

auf luftigem Band den Wandfuß entlang

Nach diesem ganz witzigen Durchschlupf befinden wir uns im Kar „Le Jardin“. Auf guten Steig umrundet man zunächst die Nordseite des Bergstocks. Er wird schon bald zu einem schmalen Pfad, der nun stets in luftiger Höhe auf einem Band die Chamechaude Westseite entlang zieht.
Wegen der Wolken war mir ein Blick in die Tiefe verwehrt. Schade, wäre sonst sehr eindrucksvoll (siehe montagne.plisson.org/ ).

da vorne geht‘ links ins Schuttkar

Schließlich erreiche ich in Gipfelfalllinie ein Schuttkar. Hier geht es wieder einmal einfach steil nach oben. Es ist höchste Vorsicht geboten, um in diesem Geröll nicht Steinschlag auszulösen. Es gäbe hier einen direkten Durchstieg zum Gipfel. Doch das ober mir durchs Geröll balancierende Paar von vorhin lassen es mir geraten erscheinen, eine andere Variante zu wählen. Sie führt nach rechts hinaus auf die Schrofenflanke des Normalwegs. Und so steige ich hinauf bis zum Kamm. Kurzer Stau am Gipfelaufbau und das Gipfelkreuz ist erreicht. Herrlicher, jetzt wolkenfreier Rundumblick, Mont Blanc inklusive.

Der Abstieg führt mich dann entlang des Normalwegs vorbei am Schwammerl „La Falaise“ wieder hinab zum Col de Porte.